Lviv, Ukraine

Lviv – The most beautiful city in the world!


Die letzte Station unseres Roadtrips im September 2021 war meine Heimatstadt, Novovolynsk. Wir haben eine ganze Woche dort eingeplant und verbracht. Es war wunderschön im Kreise der Familie den Sommer 2021 zu verabschieden. Aber der Weg dorthin war mehr als abenteuerlich.

Wie bereits im Krakau-Post geschrieben, hatten wir anfangs geplant ein paar Nächte in Lviv zu verbringen und dann zu meiner Family zu fahren. Mein Freund war von Anfang an nicht so mega von der Idee überzeugt, warum sollten wir Geld für ein Hotel ausgeben, wenn Oma um die Ecke wohnt. Er war der Meinung wir sollten direkt zur Oma fahren und mehr Zeit mit der Family verbringen. Gesagt, getan! Mir war das damals auch alles ein wenig zu heikel, denn zu dem Zeitpunkt war Corona Thema Nummer eins und ich mir nicht sicher war, ob wir mit den Dokumenten und mit dem Auto überhaupt über die Grenze kommen. Natürlich haben wir uns über die damals herrschenden Regeln beim Auswärtigen Amt informiert. Dadurch, dass wir aber das EU-Territorium verlassen würden, könnte es schwieriger werden, wenn etwas nicht ganz nach Plan läuft.Aus diesem Grund haben wir lediglich die Hotels in Polen gebucht und würden nach dem Aufenthalt direkt nach Novovolynsk fahren.

Gut gelaunt und gut erholt, starteten wir unsere Reise fort, weiter Richtung Osten. Es war recht viel los auf den Straßen, sodass sich die 400 km bis zur Grenze echt ziemlich in die Länge gezogen haben. Irgendwann, in der Abenddämmerung sind wir an der ukrainisch-polnischen Grenze Zosin / Ustulyg angekommen. Die Kontrolle war recht zügig fertig und eigentlich hätte ich in 20 km, also so ca. einer Stunde, meine Liebsten in die Arme schließen können. ABER! Es ist so einiges schief gegangen 🙁  Zunächst zur meiner Verteidigung: Ich war schon sehr lange nicht mehr mit dem Auto in die Ukraine gefahren und es hat sich einiges verändert, sodass ich mich nicht mehr zu 100% an alles erinnern konnte. Als sich der Schlagbaum hinter unserem Auto geschlossen hatte, wir auf ukrainischem Territorium waren und ich das „UKRAINE„-Schild erblickt hatte, war ich voller Euphorie und  völlig aus dem Häuschen, denn ich würde ja bald daheim sein. Tja, falsch gedacht und zu früh gefreut! Wir sind irgendwo falsch abgebogen und sind sozusagen im Nirgendwo gelandet, sodass wir am Ende noch von meinem Onkel „gerettet“ werden mussten 😀 Aber Spaß bei Seite! Es war tatsächlich so, dass wir uns verfahren hatten, irgendwann nach 10-15 Minuten meinte ich: „hmm der Weg kommt mir mir überhaupt nicht bekannt vor!“ Es gab nichts drum rum und eine richtige Straße gab es auch nicht und diese wurde auch immer schlimmer je weiter wir kamen. Irgendwann wurde es auch schon dunkel und wir konnten nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Uns überholten sogar Pferdekutschen 🙂 Die Menschen darin starrten uns wie irgendwelche Außerirdischen an und dachten sich bestimmt, um Gottes Willen, was für Knallköpfe 😀 . Jede 5 Minuten telefonierten wir mit meinem Onkel, sodass er uns weiter nach Hause lotzen konnte. Als man die Straße endlich als eine Art Straße bezeichnen konnte, raste uns ein Auto mit Fernlicht entgegen. Ich hatte mich zu Tode erschrocken. Es war mein Onkel! 🙂 Er steht auf solche Aktionen 🙂 Er ist uns entgegengefahren, damit auf den letzten Metern bis nach Hause nichts passiert. Wie gesagt es war eine einzige Horrorfahrt! Sowas habe ich im Leben noch nie erlebt! Aber ohne Abenteuer geht es bei uns natürlich nicht!Als wir ankamen, wurden wir natürlich üppig begrüßt. Es gab kaum noch einen leeren Platz auf dem Tisch. Trotz des Horrors auf dem Weg war es ein schöner, familiärer Abend. Der jedoch nicht so lang ging, wir waren hundemüde. Für die eine Woche Aufenthalt hatten wir keine Pläne gehabt, lediglich das machen, worauf wir Lust hatten. So waren wir häufig in der Stadt, spazierten rum, besuchten die vielen neuen Restaurants und den hiesigen und stressigen Markt, entspannten am Stadtsee und vieles mehr. In der Stadt aßen wir eine der besten Pizzen, die wir je bestellt hatten. In der Pizzeria „Felicita“ waren wir dann auch mehrmals 🙂 Wenn man Lust auf ukrainische Küche hat und auch das typische ukrainische Flair genießen möchten, dann muss man zum Stadtsee laufen, da gibt es eine Holzhütte „Okolyzja„. Dort werden typische ukrainische sehr leckere Speisen serviert. Im Sommer ist es sehr zu empfehlen. Es kam dann irgendwann der Sonntag, der Tag des Herren. Alle hatten frei, es war super Wetter, mein Onkel hatte lecker eingekauft, Oma hatte Schaschlik eingelegt. Es wurde ein richtig cooles Familienfest. Die fast gesamte Familie war am Tisch und wir hatten alle zusammen so viel Spaß. Wir führten nette Gespräche, hörten tolle Musik, schwelgten in unseren Erinnerungen und lachten ganz laut zusammen. Ein halbes Jahr später betrachtet, werde ich diese Momente nie wieder als selbstverständlich betrachten. Irgendwann am späten Abend kam die Idee auf einen Tagesausflug nach Lviv zu machen. Natürlich wurde ich ab diesem Wortlaut sehr aufmerksam. Ich wollte schon so lange mal nach Lviv, es kam jedoch immer etwas dazwischen. Es hat mich immer wahnsinnig geärgert und ich musste es immer in die ferne Zukunft aufschieben. Doch dieses Mal schien es so als ob der Traum in Erfüllung gehen würde. Und tatsächlich ein paar Tage später zu frühen Morgenstunde saßen wir im Auto mit meinem Onkel und Tante auf dem Weg nach Lviv.  Ich war überglücklich! Es sind etwa 150 km von Novovolynsk bis nach Lviv, aber dadurch, dass es dort keine Autobahn gibt, muss man eben ein wenig mehr Fahrtzeit einplanen. Dafür sieht man aber mehr von meinem wunderschönen Land 😉Als wir endlich in der Innenstadt angekommen sind, habe ich mich sofort in die Stadt verliebt als ich aus dem Auto stieg. Es war Liebe auf den ersten Blick! Dadurch, dass wir mit meinem Onkel und Tante unterwegs waren, hatten wir unsere privaten Reiseführer. Die beiden sind ebenfalls sehr große Fans der Stadt und sind häufig Vorort, sodass sie sich sehr gut auskennen. Meine Tante hat uns die coolsten und hübschesten Cafés gezeigt, während mein Onkel uns die besten Bier-Locations aufzeigte. Doch das allerbeste Bier überhaupt!!! gab es in der Oyster-Bar „Bar Mushly„. Wir alle vier waren total begeistert! Onkel erzählte uns, dass viele Restaurants in Lviv ihre eigene Brauereien haben und ihr eigenes Bier herstellen. Das heißt also so gut, wie jedes Restaurant serviert seine eigene Bierkreation. Das ist schon ziemlich cool! Es gab noch so viele hübsche Gaststätten, die ich noch gerne besucht hätte aber wir hatten nur einen Tag dort. Mein Freund meinte auch für den nächsten Besuch müssen wir uns mehrere Tage für die Stadt einplanen. Nach einer kleinen Stärkung mit Austern spazierten wir weiter in der wunderschönen Innenstadt. Aus dem Staunen kamen wir gar nicht raus. An jeder Ecke ach wie toll, ach wie schön! Nach einem etwas längerem Marsch wurden wir auch wieder hungrig. Mein Onkel hatte die tolle Idee gehabt ein mysteriöses Restaurant „Krujivka“ zu suchen. Um dort zu essen, muss man es erst mal finden. Es gibt überall in der Stadt und im Internet Hinweise auf das Versteck. Es ist erstaunlich, dass die Location bisher im Internet noch nicht verraten wurde. Wir haben eine Weile gesucht aber im Endeffekt dann doch gefunden. Der Eingang ist völlig unscheinbar und sehr leicht zu übersehen. Als die Tür auf gemacht wurde, bekam ich erstmal einen Schrecken. Es tauchte plötzlich ein Soldat mit einem Gewähr auf und fragte uns nach dem Geheimwort. Mein Freund und ich so … hmm keine Ahnung. Mein Onkel lachte und sagte laut „Slava Ukraini!“ Uns wurde der Zutritt gewährt nachdem wir die Zusatzfrage, ob wir Russen seien mit „Nein“ beantwortet haben. Als Willkommen reichte uns der Soldat jeweils einen Kurzen rüber und wünschte uns einen guten Appetit. Der Kurze war by the war widerlich! Das Restaurant ist eine Art Entertainment-Location gedacht und soll einen Kriegsbunker darstellen. Die Kellner sind als Soldaten verkleidet und auch das Geschirr ist auch so als Metall. Auch das Essen ist sehr einfach aber unfassbar lecker. Das war ein unglaubliches und unvergessliches Erlebnis. Den genauen Grund, warum das Restaurant gerade das Kriegsthema aufgriff, habe ich nicht nachgefragt, das musste ich auch nicht. Seit der Krim-Annexion hat sich so einiges im Land verändert und die Willkür des Nachbars will man einfach nicht mehr akzeptieren und tatenlos hinnehmen! Es reicht auch!  

Nach der guten Hausmannskost könnten wir uns alle auf das Sofa legen 🙂 Daher mussten wir uns ganz dringend bewegen. Also beschlossen wir auf den Turm hochzulaufen. Um Kalorien zu verbrennen, war das Treppen-Steigen sicherlich eine tolle Idee. Aber direkt nach dem Essen wohl kaum. Es war zudem auch noch so unglaublich heiß. Die Qualen haben sich aber mehr als gelohnt. Lviv von oben ist einfach unbeschreiblich schön!Wir genossen ein ganzes Weilchen den fantastischen Ausblick! Es war so schön, dass man die Blicke nicht losreißen konnte. Wir mussten jedoch! Als wir unten auf den Boden ankamen, hatten wir unendlich Durst. Also nahmen wir Platz im Biergarten, direkt am Marktplatz. Es fing an zu dämmern und mir wurde klar, dass die Zeit gekommen ist, sich zu verabschieden. Obwohl ich es überhaupt nicht wollte, mussten wir „Tschüss, bis zum nächsten Mal!“ sagen. Der Tag war ein volles Erlebnis! Ein wirklich gelungener Tagesausflug, den ich gerne verlängert hätte. Zuhause tauschten wir die Eindrücke aus und wie begeistert wir waren. Wir beide sind davon überzeugt, dass wir in naher Zukunft wieder nach Lviv zurückkehren werden und wieder durch die hübschen Straßen im Frieden schlendern werden!Den Rest des Urlaubs haben wir mit der Familie verbracht, waren viel mit den Kindern unterwegs und genossen die letzten, nicht mehr ganz so warmen Sonnenstrahlen. Nachdem wir nun von Lviv so begeistert waren, schmiedeten wir Zukunftspläne auch ein paar andere ukrainische Städte zu besuchen. Zu gern hätte ich Odessa gesehen. Es sollte eine fantastische Stadt gewesen sein. Roadtrip durch die Ukraine? Ja, warum nicht! Wir hatten uns sogar schon eine grobe Route überlegt! Sehr schade und herzreissend, dass es in den nächsten Jahren wohl nichts daraus wird. Doch die Hoffnung stirb bekanntlich zuletzt. Ich bin dankbar, dass ich solch eine tolle Woche gemeinsam mit meiner Familie verbringen durfte! Es war eine unvergessliche Zeit, die ich nicht  missen möchte!

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